Minimalismus = Freiheit?

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Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen.

(Franz Werfel, österreichischer Schriftsteller, 1890 – 1945)

 

 

 

Minimalismus ist momentan total im Trend. Besitz loslassen und sich dadurch freier unabhängiger fühlen. Wir haben viel von allem – zu viel. Zu viele Dinge beschweren uns, machen uns letztendlich unglücklich.

 

Ich bin generell niemand, der irgendwelchen Trends folgt. Doch ich muss sagen: Beim Minimalismustrend bin ich dabei.

 

Aber nur, weil ich den schon gelebt habe, bevor er in Mode kam :D

 

 

 

Und zwar fing alles mit Thoreau an. Als ich sein Buch "Walden" zum ersten Mal vor 10 Jahren gelesen habe, war ich total fasziniert. Für mich ist Thoreau der erste Hippie. Er ist irgendetwas zwischen Genie und verrückter Aussteiger. Er hat vor über hundert Jahren in Neuengland gelebt und für zwei Jahre abgeschieden in einer Hütte an einem See gewohnt. Schon damals fand er, dass die Leute zu viel konsumieren, zu viel Besitz anhäufen.

 

 

 

 

Ich liebe seinen sarkastischen Unterton, wenn er beschreibt, wie Menschen sich ein Haus kaufen, mehr Besitz anhäufen, deswegen in ein noch größeres Haus ziehen, noch mehr Gerümpel anhäufen und so weiter. Es stimmt schon, ein Stück weit ist unser Besitz nicht unser Eigentum, sondern wir sind der Eigentum unseres Besitzes. Denn was muss man tun, um viel zu besitzen? Viel arbeiten gehen. Was muss man tun, wenn man viel Besitz angehäuft hat? Geld für ein großes Haus ausgeben.

 

 

 

Ein ewiger Teufelskreis. Somit sind wir nach Thoreau alle Sklaven unseres Besitzes.

 

 

 

Wie kommt man aus diesem Teufelskreis? Indem man einfacher lebt, nicht ständig Dinge anhäuft, die man nicht gebrauchen kann sondern nur auf dem Dachboden wegstellt. Wer sich von seinem Besitz befreit, befreit sich auch seelisch, hat innerlich und äußerlich mehr Raum zum Atmen.

 

Und vor allem: man wird nicht länger von Dingen abgelenkt und kann sich mit den wesentlichen Dingen des Lebens beschäftigen.

 

 

 

 

Ein weiteres Buch, das mir zu Minimalismus einfällt ist "Die Welt, wie Larry sie sieht"(von Janet Tashjian). Meiner Meinung nach aktueller denn je. Hier eine Zusammenfassung:

 

 

Larry ist Teenager, Individualist, Hippie. Er bloggt und predigt über den Konsumwahn - und findet im Internet großen Anklang. Durch ihn entsteht praktisch eine zweite Flowerpower-Bewegung. Die Leute sind begeistert von seiner Weltsicht und wollen die Welt ändern. Doch es verläuft nicht alles nach Plan...

 

Ein Zitat aus dem Buch:

 

 

 

"Denn tatsächlich besitze ich nur 75 Gegenstände. [...]Ich mache das seit der achten Klasse so. Damals hatte ich etwas über Indianer gelesen, die nicht zu viele "Fußabdrücke" hinterlassen wollten, wenn sie die Erde verließen." (Die Welt, wie Larry sie sieht S. 47f)

Ist das nicht toll?? :D

 

Ich verlinke es nicht, denn ich will nicht, dass jemand denkt, dass ich Geld dafür bekomme (was ich natürlich nicht tue). Aber wenn es euch interessiert: es ist definitiv wert, gelesen zu werden. Es hat mir meine Jugend versüßt und ich habe mich endlich verstanden gefühlt – wenn schon nicht von außen, dann immerhin von einem Buch :P

 

 

 

 

 

Hier ist meine Meinung zu Minimalismus:

Eine Erleichterung ist die Trennung von Besitz, den man absolut nicht braucht schon. Wir haben tatsächlich zu viel von allem. Man braucht nicht jeden Monat ein neues T-Shirt, und wer braucht schon jedes Jahr ein neues Handy? Andererseits muss man auch nach dem eigenen Gefühl gehen. Wenn der Bauch einem sagt, dass dieser Gegenstand absolut gar nicht wegkommen darf, dann sollte man auch darauf hören. Ich habe manche Dinge weggegeben, an denen mein Herz hing und habe es bereut. Vertraut also auf euer Gefühl.

 

 

 

 

Extremer Minimalismus mag den ein oder anderen glücklich machen. Ich muss zugeben, dass ich nicht viel besitze. Doch die wenigen Dinge, die ich habe, haben eine persönliche Bedeutung. Daher dürfen diese auch in meinem Leben bleiben, denn ohne sie wäre mein Leben nicht gut (z.B. bestimmte Bücher, meine Gitarre...)

 

Minimalismus ist jedoch notwendig, sowohl für das seelische Heil, aber auch aus Gründen des Umweltschutzes. Endloser Konsum bringt uns einfach nirgends hin. Denn zu viele Dinge beschweren uns, verstumpfen uns, sind Ballast. Manchmal ist weniger also mehr.

 

 

Zu viele Leute geben Geld aus,

das sie nicht verdient haben,

um Dinge zu kaufen,

die sie nicht wollen,

um Leute zu beeindrucken,

die sie nicht mögen.

Will Rogers

 

 


Lebt ihr minimalistisch?

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Hinterlasst gerne einen Kommentar!


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